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2. Februar 2017

27. Januar - Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" - ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. An diesem Tag jährt sich die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee 1945. Wie jedes Jahr trafen sich Bürger und Schüler der Regelschule Bad Köstritz am Grab der 43 ermordeten KZ Häftlinge aus Buchenwald, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken.

Hier der Redebeitrag von Marlis Jakat am 27. Januar in Bad Köstritz:

"Seit  über zwanzig Jahren halten wir alljährlich an diesem Tag inne, dem Tag, an dem 1945 Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreiten und Menschen vorfanden, von denen jeder Einzelne ein kaum vorstellbares Maß an „Unfreiheit und Willkür“ erlitten hatte – Menschen, die, ihrer Rechte, ihrer Unversehrtheit und ihrer Würde beraubt, gequält, ausgebeutet, in den Tod geschickt werden sollten.
Wir gedenken heute der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Wir gedenken all der ermordeten Juden Europas, der Sinti und Roma, der kranken und behinderten Menschen, der Homosexuellen und all derer, denen ihr Recht auf Leben abgesprochen wurde, der Gequälten und Ermordeten. Wir gedenken derer, die Widerstand leisteten, die ihr Leben als Andersdenkende verloren, weil sie anders dachten, weil sie sich nicht beugten und ihre politische Überzeugung, ihre Moral oder ihren Glauben nicht aufgaben. Wir gedenken der Kriegsgefangenen und Deserteure, der ungezählten zivilen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in ganz Europa, und wir gedenken auch der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Wir erinnern an unvorstellbare Menschheitsverbrechen, an Völkermord und daran, was Menschen anderen Menschen angetan haben. Wir verneigen uns vor den Toten – und wissen zugleich um die tiefen, lebenslang schmerzenden Wunden, unter denen die Überlebenden dieser Schrecken leiden.

Als Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärte, hoffte er, dass wir Deutsche - so sagte er - „gemeinsam Formen des Erinnerns finden, die zuverlässig in die Zukunft wirken“. Er wollte vor allem junge Menschen anregen, über die Vergangenheit nachzudenken und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir heute, mit zunehmendem zeitlichen Abstand, das historische Wissen so vermitteln können, dass es tatsächlich bei der jungen Generation ankommt und auch ein Bewusstsein für die eigene Verantwortung schafft.
In diesen Tagen und Wochen erinnern sich viele Menschen in unserem Land an das Ende des Krieges und an die Leiden des Krieges.
 Meine nachdrückliche Bitte ist: Überall in Deutschland müssen wir verhindern, dass die Erinnerung an die deutschen Opfer und die Trauer über das Leid auch der Deutschen missbraucht wird für neonazistische Propaganda.
Es ist verständlich und legitim, mit Trauer an das eigene Leiden zu erinnern. Aber das darf niemals und nirgendwo dazu dienen, die Naziverbrechen zu relativieren und zu beschönigen! Dem zu widerstehen und zu widersprechen ist Sache aller anständigen Deutschen, aller Bürger.
Dass Deutsch nie mehr die Sprache des Mordes, des Antisemitismus, der Menschenfeindlichkeit, der Lüge und des rassistischen Vorurteils wird – dazu verpflichtet uns der heutige Gedenktag für immer.
„Wer Unfreiheit und Willkür kennt, der weiß Freiheit und Recht zu schätzen“.
 Die Selbstverständlichkeit aber, mit der unser Volk Freiheit und Recht erleben darf, vermittelt mitunter zu wenig Gespür für die Gefahren von Willkür und Unfreiheit."