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Mario Forchhammer

Der Wurm soll dem Fisch schmecken, aber nicht dem Angler

Liebe Genossinnen und Genossen,

Wenn wir die zurückliegende Wahl analysieren, dürfen wir einen Fehler nicht machen.

Wir dürfen nicht von uns auf andere schließen. Wenn uns, als politisch Interessierte Menschen, unser Wahlprogramm sehr gut gefällt, dann heißt das noch lange nicht, dass dieses viele Menschen interessiert bzw. sie sich damit beschäftigen.

 

Dazu möchte ich euch etwas erzählen:

In der Woche vor der Wahl durfte ich in einigen Klassen meiner Schule neutral über die Wahl referieren. Um die Aufmerksamkeit von politisch wenig interessierten Mittzwanzigern zu erlangen, erzählte ich zu Beginn, wo konkret in unserem Leben Politik eine Rolle spielt. Bei einigen konnte ich damit Emotionen und somit auch Interesse wecken.

Da war das leidige Thema Bafög, das die meisten persönlich betrifft und viele ankotzt. Es ist eben Politik, ob monatelang recherchiert wird ob deine Eltern vielleicht doch einen Euro zu viel verdienen, oder ob es elternunabhängig jeder Schüler und Student in Anspruch nehmen kann.

Auch berufsspezifische Themen wie der Betreuungsschlüssel im Kindergarten oder der Bildungsplan sind Politik. Es ist aber auch Politik, ob ich nach einer OP noch blutig entlassen werde oder ob ich zur Sicherheit noch zwei Tage länger unter Kontrolle im Krankenhaus verbleiben kann. – Beispiel Fallpauschale in einem Satz erklärt.

Das heißt: Wir brauchen die passenden Themen für die jeweilige Zielgruppe. Und wir müssen darüber diskutieren, wie wir dies gezielt umsetzen können.

 

Liebe Genossinnen und Genossen,

wir - sind letztendlich nichts anderes als Verkäufer. Unser Ziel ist es doch, dass die Menschen unsere Politik kaufen in dem sie ihr Kreuz bei uns machen.

Daher sollten wir uns auch das ein oder andere von Verkäufern abschauen.

Du wirst auch das beste Produkt nicht verkaufen, wenn dein Vertrieb und dein Marketing nicht funktioniert.

Wann und Warum kaufen Menschen? Die meisten Käufe erfolgen aus Emotionen heraus. Es ist also wichtig, Emotionen zu erzeugen. Das konnte ich allerdings bisher bei unserer Wahlwerbung nicht erkennen. Der Vertrieb und das Marketing funktioniert also nicht, obwohl das „Produkt“ sehr gut ist.

 

Ein weiterer Baustein sind niederschwellige Angebote und Ansprachen. Wenn ich einem Schüler etwas erkläre, versuche ich es doch in so einfachen Worten wie möglich. Sonst wird er es nicht verstehen. Warum erwarte ich aber von erwachsenen Menschen, von Wählern, dass diese alle Politik studiert haben?

Niederschwellige Ansprachen, einfache Worte. Und vor allen Dingen sagen, was es konkret für die Menschen bedeutet. Was haben sie konkret davon.

Dazu fällt mir ein Thema ein. Wenn es heißt, wir haben das gebührenfreie Kindergartenjahr geschaffen, was mit X Millionen € finanziert wird. Dann kann sich darunter keiner etwas vorstellen. Wenn es aber heißt: Jede Familie in Thüringen spart dank unserer Regierung im dritten Kindergartenjahr X € im Jahr. Dann ist das vorstellbar und die Menschen fühlen (hoffentlich) Dankbarkeit.

 

Des Weiteren sollten wir mehr fragen, was die Themen der Menschen sind, was sie verändert haben wollen, statt mit Gießkannenprinzip allgemeine Phrasen über das ganze Land auszukippen.

Ganz ehrlich, ich hatte noch nie das Gefühl, dass sich die Mehrheit der Menschen für eine Partei entscheidet, weil die Wahlthemen am besten zu ihnen gepasst haben. Wenn das so wäre, gäbe es ganz andere Ergebnisse.

Wahlthemen sind natürlich wichtig. Aber für die meisten der unentschlossenen Menschen braucht es andere Angebote um diese für uns zu begeistern. Und darüber sollten wir diskutieren.

 

Und nach meiner Meinung etwas ganz Wichtiges. Wir sollten in erster Linie mit unseren Erfolgen werben. Die Menschen fragen mich weniger nach unseren Wahlversprechen, sondern viel öfter, was wir geleistet haben und warum wir das nicht kommuniziert bekommen.

Warum war es denn bisher gut für die Menschen, eine Linke Regierung zu haben? Was hat das den Menschen gebracht? Die Antworten auf diese Fragen müssten kommuniziert werden.

 

Liebe Genossinnen und Genossen,

wir wollen einen Neuanfang. Einen Schritt in eine erfolgreiche Zukunft.

Und dazu brauchen wir dringend eine Verjüngung. Aber nicht im Lebensalter. Wir brauchen eine Verjüngung im Denken.

Und wir brauchen die passenden Köder. Wenn du einen alten Schuh an die Angel hängst, wird kein Fisch anbeißen. Es muss schon ein Wurm sein.

Wir brauchen mehr schmackhafte Würmer!

 

Euer Mario