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Marcel Buhlmann

Warum das Marstall-Center eine mäßige Idee ist…

Der Stadtrat der Stadt Greiz hat mehrheitlich beschlossen, den Weg für das Projekt „Marstall-Center“ des Investors Arno Wagner frei zu machen. Das Marstallcenter, dass letztlich auf Konzepte aus den Neunzigern zurück geht, halte ich in der jetztigen Form für eine Fehlentwicklung ...

Der Stadtrat der Stadt Greiz hat mehrheitlich beschlossen, den Weg für das Projekt „Marstall-Center“ des Investors Arno Wagner frei zu machen. Man erhoffe sich so eine bessere Versorgung der Altstadt mit Lebensmitteln, sowie dass mehr Menschen aus den Greizer Ortsteilen und von außerhalb in die Innenstadt kommen und diese beleben, speziell die Marktstraße, die als Achse zwischen Altstadtgalerie und dem geplanten Marstallcenter dienen soll.

Ich persönlich finde den Gedanken geradezu abwegig, dass ein Center mit Aldi, Vollsortiment-Rewe und dm die Innenstadt belebt. Das Center bietet nichts, was eine überregionale Anziehung entwickelt, es ist also kaum damit zu rechnen, dass Menschen extra dafür nach Greiz fahren. Das bedeutet, es wird lediglich eine Verlagerung von vorhandener Kaufkraft innerhalb der Stadt stattfinden. Das Spektrum-Center wird ohne Aldi, der Ortsteil Pohlitz ohne Rewe auskommen müssen. Der Drogeriemartk dm ist momentan ein guter Grund, sich zu Fuß in die Innenstadt zu begeben. Mit dem Umzug bietet sich für dm zwar mehr Platz, das Laufpublikum für die umliegenden Geschäfte am aktuellen Standort wird aber eher abnehmen. Leerstand im Spektrum, in Pohlitz und am dm Standort wird sich als Nebeneffekt einstellen.

Auch ist kaum damit zu rechnen, dass Menschen mit dem Auto im neuen Center ihren Wocheneinkauf erledigen und anschließend ihr KfZ im kostenpflichtigen Parkhaus des Centers stehen lassen, um die Innenstadt zu besuchen. Der Rewe im Center soll ein Vollsortiment bieten, das heißt es wird Textilien, Elektronisches, Blue-Rays / DVDs, Zeitschrifen und Bücher, Saisonware, Schreibwaren und ähnliches geben. Das ist aus meiner Sicht ganz direkte Konkurenz für vorhandene Angebote in der Innenstadt und wird auch dem Kaufland als Vollsortimentanbieter Schwierigkeiten bereiten.

Auch die angebliche Unterversorgung mit Lebensmitteln im Bereich der Greizer Altstadt kann ich nicht erkennen. Es gibt Bäcker, Flächer, Obst- und Gemüsehändler in näherer Umgebung die Discounter Lidl und Penny und in der Altstadtgalerie wird mit „Nah und gut“ die momentane Lücke gefüllt.

Man muss auch mal ganz nüchtern die Ziele und Wünsche der beteiligten Akteure betrachten. Ziel der Stadt, des Stadtrates sollte es sein, eine langfristige, nachhaltige Stärkung der Innenstadt zu erreichen und auch endlich einmal klar zu definieren, in welche Richtung die Altstadt sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll. Aus meiner Sicht macht es Sinn auf Kultur, auf Tourismus, auf eine belebte und verkehrsberuhigte Altstadt mit attraktiver Gastronomie hin zu wirken, eine Altstadt, die zum Besuchen und Verweilen einlädt. Teile des Stadtrats und der Verwaltung hängen aber offenbar noch immer den vielerorts gescheiterten Vorstellungen von Einkaufsstädten an. Seit den Neunziger Jahren wurden in zahlreichen Städten in unserer näheren Umgebung immer wieder großflächige Einkaufstempel errichtet und mittlerweile sollte sich herrumgesprochen haben, dass dies Innenstädten mit kleinteiliger Struktur eher schadet als nützt. Man schaue nach Plauen, Gera, Zwickau. Ob betreutes Wohnen zu hohen Preisen immer in direkter Innenstadtnähe entstehen soll, kann man auch mal hinterfragen. Günstiger Wohnraum für jüngere Menschen und Familien macht da aus meiner Sicht mehr Sinn.

Die Akteure, das heißt der Investor und die Konzerne hinter den beteiligten Märkten interessieren sich nicht für eine zukunfsfähige Innenstadt. Da geht es um gute Standorte die guten Umsatz versprechen. Was mit kleinen Händlern in der Umgebung passiert, interessiert weder Rewe noch Aldi und auch ein Investor wie Herr Wagner hat in erster Linie seinen eigenen Profit im Blick.

Das veraltete Einzelhandelskonzept muss im Zuge eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts endlich überarbeitet werden. Das Marstallcenter, dass letztlich auf Konzepte aus den Neunzigern zurück geht, halte ich in der jetztigen Form für eine Fehlentwicklung und habe entsprechend im Stadtrat gegen die Beschlussvorlage gestimmt.

OTZ Artikel zum Marstallcenter:
https://www.otz.de/regionen/greiz/30-millionen-investition-stadtrat-greiz-macht-weg-fuer-marstallcenter-frei-id230446764.html

Auch erschienen hier:

http://www.sonntagsmix.de/2020/10/04/warum-das-marstall-center-eine-maessige-idee-ist/